Die Autorenvita - Autobiografie

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Ich wurde 1970 in Gjakovë geboren und bin in einer mehrköpfigen Familie aufgewachsen. Mein Vater unterrichtete Albanisch und Geschichte und war Schuldirektor, meine Mutter war eine tüchtige und sehr umsichtige Hausfrau.

 

Mein Vater zählte zu den ersten Kosova-Albanern, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Fachhochschulreife erlangen konnten. Das albanische Volk bestand damals aus Analphabeten und verfügte nicht einmal über das Recht auf Bildung. Die jugoslawische Okkupationsmacht war bestrebt, alles, was mit dem Bildungswesen der Albaner in Verbindung stand, zu untergraben.

 

Ich war ein guter Schüler und erlangte schließlich die Fachhochschulreife mit den Schwerpunkten Biologie und Medizin. Danach wurde ich an der Juristischen Fakultät der Universität von Prishtina als regulärer Student angenommen. So studierte ich jene Rechte, die den Albanern vorenthalten wurden. Ich damals als 22-Jährige hatte mich für die Unabhängigkeit des Kosovo eingesetzt, war von jugoslawischen Sicherheitskräften überfallen und gefoltert worden und brach mein Jurastudium ab.

 

Auch mein Vater wurde im Zentrum von Gjakovë verletzt. Trotzdem stellte der Vater fest: „Nicht alle Serben sind schlecht“, und der Sohn stimmte ihm zu: „Nicht alle Slawen sind schlecht.“ Obwohl es oft heißt: „Wo der slawische Stiefel auftritt, wächst kein Getreide mehr nach.“ Als Parallele zu dem, darf man, höflich und total unparteiisch, nur an den ehemaligen Osten Deutschlands erinnern.

 

Als wir Abschied nahmen, gab mein Vater mir folgende Sätze mit auf den Weg: „Arber! Im Herzen der Deutschen ist ein Platz für dich. Das Volk ist groß und hat wenige Freunde! Es war aber bisher die Arbeitsmaschinerie und die Kreativitätslokomotive für ganz Europa.“

 

Im August 1991 emigrierte ich nach Deutschland. Am Anfang hatte ich es, wie viele politisch Vertriebene, unglaublich schwer, und der Ausdruck „Odyssee“ wäre bei Weitem zu schwach.

 

Ich musste 16 Jahre lang, ohne einen vernünftigen Aufenthaltstitel auskommen, obwohl ich mich dank meiner integrativen Kraft exzellent zurechtgefunden und während dessen, hier, regelmäßig in einem Arbeitsverhältnis gestanden hatte.

 

2006 wurden - nach einer langen Reihe unterqualifizierter Arbeits- und Beschäftigungsangebote - schließlich meine Zeugnisse und die damit verbundene Fachhochschulreife anerkannt.

 

Nun freue ich mich, auf Deutsch zu schreiben, und ich gewinne das Deutschland, in dem ich lebe und arbeite, als neue Heimat sehr lieb. Man möchte vielleicht anfügen: Das Deutschland, in dem ich nach fast drei Jahrzehnten wieder meiner Liebe, dem Bücherschreiben, nachgehen kann! 

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